Orthopädische Praxis PD Dr. med. habil. Stefan Klima
Lortzingstraße 15, 04105 Leipzig

Arthrose des Kniegelenkes

Die Arthrose des Kniegelenkes (auch Gonarthrose) ist eine der häufigsten Gelenkarthrosen. Der Aufbau des Kniegelenkes ist komplex und wird durch 2 Knochen bestimmt: Oberschenkelknochen (Femur), Schienbein (Tibia), Kniescheibe (Patella). Stabilisiert wird das Kniegelenk von Muskeln und Bändern. Zwischen der kurvigen Gelenkfläche des Oberschenkelknochens und der geraden Fläche des Schienbeins sind der innere und äußere Meniskus platziert, die die Auflage der inkongruenten Gelenkflächen verbessern. Die Arthrose des Kniegelenkes ist gekennzeichnet von einem zunehmenden Knorpelverlust der Gelenkflächen. Meist ist die Arthrose auf der Innenseite des Gelenkes und zwischen Kniescheibe und Femur-Gleitlager weiter fortgeschritten. Im Röntgenbild erscheint der Gelenkknorpel nicht direkt sichtbar, und der Arzt kann nur aus der Breite des Gelenkspaltes auf die Stärke der Knorpelschicht schließen.

 

Für die Gonarthrose gibt es verschiedene Ursachen: Meist sind frühere Unfälle mit Knochenbruch im Gelenkbereich, Meniskus oder Kreuzbandverletzungen oder auch rheumatische Erkrankungen ein Wegbereiter. Manchmal aber kann die eigentliche Ursache für den Knorpelverlust nicht ausgemacht werden. Im Rahmen einer Arthrose ist die Gelenkschleimhaut entzündet, wodurch Schmerzen verursacht werden und das Gelenk weiter geschädigt wird. Anfangs bestehen Schmerzen vor allem bei Belastung (Treppensteigen, lange Wanderungen), später sind auch Schmerzen in Ruhe zu beklagen. Im weiteren Verlauf wird das Kniegelenk immer schlechter beweglich und kann oft nicht voll durchgestreckt werden und auch die tiefe Hocke wird nicht mehr erreicht. Zudem kommt es immer weiter zur O-Bein Fehlstellung, X-Beine sind seltener. Im fortgeschrittenen Stadium ist auch die Schwellung bereits äußerlich sicht- und fühlbar.

 

Diagnostik:
Röntgenbilder in Ansicht von vorn nach hinten und in seitlicher Aufnahmetechnik liefern oftmals bereits ausreichend Aufschluss. Manchmal bringen Spezialaufnahmen (nach Rosenberg) und für die Beurteilung des Gelenkes zwischen Patella und Femur mehr Informationen zum Zustand des Kniegelenkes. Selten sind ein Computertomogrem (CT) oder ein MRT nötig. In einigen Fällen wurde das Kniegelenk bereits früher einmal bei einer Arthroskopie von innen gesehen und vom Operateur beurteilt.
 
 
 
Therapie:
Wichtig ist eine ausreichende Bewegung bei geringer Belastung. Hier kann das Fahrradfahren oder das Training auf dem Hometrainer auf niedriger Belastungsstufe empfohlen werden. Dadurch bleibt das Kniegelenk gut beweglich und die Koppressionskräfte , die auf den Knorpel wirken sind moderat. Dazu bringen Medikamente, die entzündungshemmend wirken (Ibuprofen, Diclo, Voltaren, Arcoxia...) Linderung. Eine dauerhafte Einnahme über mehrere Monate ist wegen der Nebenwirkungen aber zu überdenken. Auch die Injektion von Hyaluronsäure wirkt bei vielen Patienten erstaunlich und führt oftmals über Monate zu einer weitgehenden Schmerzfreiheit. Ist die Arthrose noch nicht weit fortgeschritten, können korrigierende Eingriffe an den gelenkbildenden Knochen ein weiteres Fortschreiten der Arthrose verhindern. Hierfür wird meist das Schienbein nahe dem Kniegelenk fast durchgesägt und dabei die O-Bein Fehlstellung korigiert. Eine Normal- bzw. geringe X-Bein Stellung, in der der Knochen danach wieder zusammenwächst, führt zur Entlastung der erkrankten Innenseite und zur Mehrbelastung der noch intakten Gelenkaußenseite. So kann der Verschleißprozess oftmals um Jahre verzögert werden. 
Schreitet der Gelenkverschleiß weit fort, ist ein künstlicher Kniegelenksersatz durch eine Prothese eine sehr vielversprechende Behandlungsmethode. Die Patienten profitieren von dieser Maßnahme zumeist erheblich, die Lebensqualität verbessert sich deutlich. Wichtig für den Erfolg der Prothetik gerade am Kniegelenk ist aber auch, den richtigen Zeitpunkt für die Versorgung zu finden. Sicher sollte der Zeitpunkt "so lang wie möglich" hinausgezögert werden. Allerdings können die zunehmende Fehlstellung (O- oder X-Bein), die Bewegungseinschränkung und der Kraftverlust der Muskulatur im Laufe der Zeit deutlich zunehmen und , so dass ungünstige Voraussetzungen für eine Prothesenversorgung den Erfolg der Operation trüben können. Hier ist eine große Erfahrung des Orthopäden gefragt, der gemeinsam mit dem Patienten den richtigen Zeitpunkt für das jeweilige Behandlungsverfahren findet. 
 
Wie ist eine Knieprothese aufgebaut?
Der am häufigsten verwendete Prothesentyp ist der bikondyläre Oberflächenersatz, der aus einer metallischen Femurkomponente und Tibiakomponente sowie einem Inlay besteht. Das Inlay ist aus einem speziellen, besonders abriebfesten Polyethylen.

Beide Komponenten werden in der Regel mit Knochenzement im Oberschenkelknochen bzw. im Schienbein verankert. Auch eine zementfreie Verankerung ist möglich, wird aber weitaus seltener als in der Hüftendoprothetik angewendet. Inlays sind in verschiedenen Höhen verfügbar, dadurch kann eine gute Bandspannung erreicht werden, die ausgesprochen wichtig ist.
 
 
 
 
 
Wie ist eine Knieprothese aufgebaut?
 
Der am häufigsten verwendete Prothesentyp ist der bikondyläre Oberflächenersatz, der aus einer metallischen Femurkomponente und Tibiakomponente sowie einem Inlay besteht. Das Inlay ist aus einem speziellen, besonders abriebfesten Polyethylen.

Beide Komponenten werden in der Regel mit Knochenzement im Oberschenkelknochen bzw. im Schienbein verankert. Auch eine zementfreie Verankerung ist möglich, wird aber weitaus seltener als in der Hüftendoprothetik angewendet. Inlays sind in verschiedenen Höhen verfügbar, dadurch kann eine gute Bandspannung erreicht werden, die ausgesprochen wichtig ist.

 

 

 

Aus welchem Material bestehen die Prothesen?
 
Die Prothesen bestehen in der überwiegenden Mehrheit aus speziellen Metall-Legierungen. Bestandteile können sein Nickel, Molybdän, Vanadium u.a., wobei die Anteile der Metalle -je nach Hersteller- sehr unterschiedlich sein können. Manche Menschen reagieren allergisch auf Metalle, besonders häufig ist eine Nickelallergie. Ob diese Metallallergie, die sich bei Hautkontakt bemerkbar macht, auch im Bereich der im Knochen verankerten Prothese zu allergischen Reaktionen führt, ist noch nicht endgültig geklärt. Sollte der Verdacht auf eine solche Allergie bestehen, dann können nach Testung auch Spezialimplantate verwendet werden. Diese sind mit einer speziellen, hypoallergenen Oberfläche versehen. Die Tibia-Komponente ist oftmals aus Titan, worauf nur extrem selten allergische Reaktionen bekannt sind.
Auf das Poyethylen, welches zwischen die beiden metallischen Komponenten gelangt, gibt es keine bekannten Allergien. Es handelt sich um ein spezielles Polyethylen mit besonders hohem Abrieb-Widerstand.
 
 
Welche Prothese ist die beste für mich und wie lange hält die Prothese?
 
Welches Implantat ausgewählt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Auf Grund der Vielzahl verschiedener Modelle, kann gut auf alle Ansprüche und Bedingungen reagiert werden. Die Wahl richtet sich dabei nicht nur danach, welche Aneile des gelenkes geschädigt sind, sondern muss auch den Bandverhältnissen (Seitenbänder, Kreuzbänder) gerecht werden. Einige Modelle verlangen einen vollkommen intakten Bandapparat, andere können eingesetzt werden, wenn Bänder nicht mehr funktionieren. Weiterhin ist zu beachten, wie der Knochen beschaffen ist. Sollte eine schwere osteoporose vorliegen, muss ggf. ein Prothesenmodell verwendet werden, das eine längerstreckige Verankerung im Knochen ermöglicht. Zudem ist die knöcherne Beschaffenheit auch für die Entscheidung, Knochenzement zu verwenden, ausschlaggebend. Ziel sollte es sein, das operierte Bein bald nach der Operation voll belasten zu können.
 
Wie lange die Prothese hält hängt ebenfalls von zahlreichen kriterien ab. Je stärker ein Kunstgelenk belastet wird, desto höher ist die Abnutzung. Eine Schwachstelle ist das Polyethylen, welches sich über die vielen Jahre abreiben kann. Dazu kann sich natürlich auch die Prothese aus dem Knochen lockern. Bei allen Prozessen spielen auch die Genauigkeit der Implantation und das Zusammenspiel mit den Weichteilen (Muskeln und Bänder) eine wichtige Rolle. Allgemein kann man mit einer "Lebenszeit" der Prothese von etwa 15 Jahren rechnen, bevor sie eventuell gewechselt werden muss. Wenn keine Probleme mit dem operierten Gelenk auftreten, dann genügt eine jährliche Untersuchung. Regelmäßige Röntgenkontrollen ohne Anlass machen meist wenig sinn und sollten streng abgewogen werden.
 
 

Kann ich mit einer Knie-Endoprothese wieder Sport treiben?
 
Generell wird eine Knieendoprothese eingesetzt, um dem Patienten Schmerzen zu nehmen und wieder mehr körperliche Fitness zu ermöglichn. Sport ist hier ein wesentliches Anliegen. Allerdings sind nicht alle Sportarten geeignet und können zu einer beschleunigten Abnutzung des Gelenkes, zu Implantat-nahen Knochenbrüchen oder auch zu Frühlockerungen führen. Empfehlenswert für körperliche Betätigung sind z.B.:
 
• Wassergymnastik/ Aquajogging: Dieser Sport ist bereits in der früheren Phase der Rehabilitation nach Einsatz einer Knieendoprothese geeignet und wird oft in den Rehaeinrichtungen angeboten.
 
• Schwimmen (Kraulbeinschlag bevorzugen, Brustbeinschlag vermeiden): Die typische froschartige Bewegung der Beine beim Brustschwimmen kann zu Beschwerden vor allem auf der Innenseite des Kniegelenkes führen, da hierbei das innere Seitenband stark belastet wird. Rückenschwimmen ist dagegen besonders zu empfehlen.
• Fahrradfahren (Extremtouren, z.B. Mountainbiking vermeiden):Fahrradfahren mit einer Knieendoprothese ist absolut empfehlenswert. Durch die gleichmäßige moderate Belastung wird das Kniegelenk nicht gestaucht und die Ober- und Unterschenkelmuskulatur wird trainiert. Mauntainbiking birgt jedoch ein deutlich höheres Sturzrisiko mit unabsehbaren Folgen. Extensive Raddouren besonders bergauf sollten vermieden werden bzw. eine langsame Steigerung der Dauerbelastung empfiehlt sich.
 
• (Nordic) Walking: Wandern, besoders unter Zuhilfenahme von Nordic-WalkingStöcken ist auch in der frühen Rehaphase ein absolut geeigneter Sport. Anfangs sollte man jedoch bei Strecken hinauf und hinab sowie auf unebenem Grund noch Vorsicht walten lassen.
 
• Gymnastik: Zunächst unter Anleitung im Rahmen der Rehabilitation und dann auch zunehmend alleine kann Gymnastik auch extensiv betrieben werden. Hier gilt: "Was keine Schmerzen verursacht, ist gut."
 Fitnesstraining am Gerät ist prinzipiell gut, doch Vorsicht bei Benutzung der Beinpresse und Kniebeugen mit zusätzlichem Gewicht, denn hierbei besteht Frakturgefahr.
 
• Rudern mit Knieendoprothese ist -vergleichbar mit dem Fahrradfahren. Geführte gleichmäßige Bewegungen und daher zu empfehlen.
 
• Golf wird von einigen Autoren als geeigneter Sport beschrieben, doch hierbei sollte auf den Abschlag geachtet werden. Verursacht die Drehbewegung dabei Schmerzen im operierten Kniegelenk, sollte Abstand vom Golfsport genommen werden.
 
• Rudern mit Knieendoprothese ist -vergleichbar mit dem Fahrradfahren. Geführte gleichmäßige Bewegungen und daher zu empfehlen.
 
.Grundsätzlich kann gesagt werden: Probieren Sie den von Ihnen geliebten Sport aus. Wenn Sie diesen Sport bereits vor der Operation regelmäßig betrieben haben, ist der Bewegungsablauf eingeprägt, die Risiken sind bekannt und Ihr Körper ist darauf eingestellt.
 
Bei aller sportlicher Betätigung mit Knieendoprothese gilt:
dosierte Kraftanwendung – keine Rasanzsportarten – keine Kontaktsportarten.

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